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NWZ Göppinger Kreisnachrichten 27. Oktober 2006

 

KULTUR / Donzdorfer Noda Biagr sorgen in China für Aufsehen

 

Polizei befürchtet Hysterie

 

Konzert jäh beendet - Überraschungen im Supermarkt

 

Die Donzdorfer Noda Biagr sind inzwischen von Shanghai weiter gereist ins 1000 Kilometer entfernte Wuhan. Bis zum Samstag werden sie dort ihre Musik präsentieren und Deutschland vertreten. Von Ulrike Luthmer-Lechner

 

DONZDORF Nach einem unkomplizierten Umzug nach Wuhan, in die über vier Millionen Einwohner beherbergende Hauptstadt der Provinz Hubei, wurden die Donzdorfer Guggenmusiker auch dort begeistert gefeiert. Da das neue Hotel in der Nähe der Fußgängerzone liegt, erkundete die schwäbische Truppe zunächst ihre Umgebung. Der Verkehr sei bedeutend erholsamer als in Shanghai, kein Smog und ein paar Temperaturgrade weniger als im vorherigen Domizil wirken angenehmer, so Martin Emberger, der als Betreuer mitreist. Schnell fielen die "Langnasen" auf und besonders die blonden Haare von Elena Rein und die Vollbärte einiger Noda Biagr versetzten die Einheimischen in Staunen. "So wird ein gemütlicher Bummel schnell zu einer Fotosession", meint Emberger. Als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt beschreibt er den "Gelben-Kranich-Turm". Von dort habe man einen herrlichen Ausblick auf die Stadtteile sowie auf die erste Brücke über den Jangtsekiang-Fluss. Einen Auftritt der Donzdorfer Noda Biagr in der Fußgängerzone von Wuhan hat die Polizei nach kurzer Zeit beendet: Die Ordnungshüter befürchteten den Ausbruch einer Massenhysterie bei den chinesischen Guggen-Fans. Im Jahr 223 als Holzkonstruktion errichtet, wurde die Pagode auf dem Shesan-Berg oft durch Feuer oder Machthaber zerstört. Ein Besuch in einem Supermarkt sorgte für Überraschungen: "Das Angebot reicht von Fröschen, Insekten, Fischen bis zu lebenden Schildkröten" berichtet Emberger. Am Abend schlüpften die Musikanten wieder in ihr Häs und bei einem spontanen Werbeauftritt für das bevorstehende Kulturfestival auf einem Vorplatz zogen sie die Menschen in Scharen an. Nach einer halben Stunde wurde das Konzert durch die chinesische Polizei jäh beendet. Als Begründung wurde angegeben, man befürchte eine Massenhysterie. "Das tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch" so Emberger. Im Gegenteil, denn Hunderte begeisterter Chinesen seien Donzdorfern bis vor das Hotel gefolgt.



NWZ Göppinger Kreisnachrichten 25. Oktober 2006


VEREINE / Donzdorfer Guggamusik als Kulturbotschafter in Shanghai

 

Medien reißen sich um Noda Biagr

 

Lautertäler freuen sich über Einladung nach Tibet im nächsten Jahr

 

Mit Pauken und Trompeten haben sie in Shanghai eingeschlagen, die Donzdorfer Noda Biagr, die derzeit als Kulturbotschafter Deutschlands in China weilen. Die Medienlandschaft im Reich der Mitte reißt sich um die Guggenmusiker und Fernsehauftritte sowie Pressetermine jagen sich.  Von Ulrike Luthmer-Lechner

 

DONZDORF "Dschingis Khan", "Alligator" und "Amerika" gaben die Donzdorfer Noda Biagr in ihrem imposanten farbenprächtigen Häs auf der Bühne in der Innenstadt von Shanghai anlässlich des chinesischen Kulturfestivals zum Besten und ein Blitzlichtgewitter begleitete die Darbietungen. Die Donzdorfer begeistern in Fernost auf allen Ebenen und bereits steht eine Einladung für das kommende Jahr nach Tibet. Monika Seehofer aus Ottenbach wurde im chinesischen Staatsfernsehen interviewt, die Abendnachrichten dreier Sender informierten in der Prime-Time mit ausführlichen Berichten über die Noda Biagr und Autogrammwünsche gehören bereits zum Standard für die Schwaben. "Man muss sich bewusst sein, dass China eine Milliarden-Bevölkerung hat und wenn nur wenige Prozent die Nachrichten sehen, ist es trotzdem ein Millionenpublikum, das die Donzdorfer im Fernsehen verfolgt", erklärt Martin Emberger aus Salach, der als Betreuer mitreist. Er und alle anderen der Truppe sind restlos überwältigt von den Erlebnissen in China. Die Guggenmusiker der Donzdorfer Noda Biagr haben beim chinesischen Kulturfestival in Shanghai nicht nur die Herzen der Erwachsenen mit Pauken und Trompeten erobert.
Freilich, neben den zahlreichen Auftritten ("gar nicht so einfach bei 30 Grad Hitze und 75 Prozent Luftfeuchtigkeit") bleibt auch Zeit für das Stöbern und Einkaufen. "Man muss hier handeln und das macht Spaß" lacht Emberger. Fächer, Essstäbchen, Tee, Porzellan, Drachen und weitere Souvenirs für die Heimat sind bereits im Gepäck. Aber auch die Ausflüge kommen nicht zu kurz. Der Jin Mao Tower mit seinen 88 Stockwerken und einer Gesamthöhe von 421 Metern (vierthöchstes Gebäude der Welt) faszinierte die Truppe. Beim Bau spielte die chinesische Zahlenmythologie eine große Rolle und daher taucht die Ziffer Acht, die Glück und Reichtum verheißen soll, immer wieder auf. Jeder Abschnitt des Turms ist um ein Achtel schmäler als die 16- stöckige Basis. Einweihung war am 28.8.1998 und der Architekt war beim Zuschlag 88 Jahre alt. "Eine geniale Aussicht auf das Lichtermeer der Stadt, es funkelt und blitzt und ist einfach schön", so Emberger. Emotionsgeladen ging es auch am Samstag weiter. Albert Kevestes von den Noda Biagrn feierte seinen 38. Geburtstag und eine riesige chinesische Geburtstagstorte wurde von den Festivalverantwortlichen organisiert. In aller Herrgottsfrühe tanzte und sang das Ensemble des russischen Balletts "Balalujetschka" ein Ständchen. "Wir alle waren sehr gerührt", berichtet Emberger. Nach dem Frühstück ging es in die Kunsthalle im Stadtteil Xun Hui. Ein Spalier chinesischer Trommlerinnen wartet bereits auf die Guggenmusiker. Am Halleneingang begrüßte die örtliche Musikkapelle mit einem zünftigen Marsch. "Angeregt durch die Herzlichkeit des Empfangs entschieden sich die Noda Biagr zu einer spontanen Einlage vor der Kunsthalle zusammen mit den chinesischen Musikern, sehr zur Freude des uns seit Tagen auf Schritt und Tritt begleitenden Kamerateams und der Fotografen", schildert Emberger.



NWZ Göppinger Kreisnachrichten 21. Oktober 2006

 

BRAUCHTUM / Donzdorfer Noda Biagr sind zurzeit auf Gastspielreise im Reich der Mitte

 

Tausende Chinesen jubeln Guggenmusikern zu

 

Die Donzdorfer Noda Biag`r sind nach elf Stunden Flug gut in China gelandet. Die Guggenmusiker aus der Lautertalmetropole haben ein volles Programm im Reich der Mitte, wo sie am Shanghai International Arts Festival als Vertreter für Deutschland teilnehmen.  Von Ulrike Luthmer-Lechner

 

DONZDORF Kurz vor dem Abflug: Manfred Meissner aus Donzdorf fliegt zum ersten Mal, und der 47jährige nimmt es gelassen: "I ben offa für älles ond ess, wenns sei muass, au an Hond". Achim Rein ist nicht ganz so locker drauf, die Angst steht ihm am Frankfurter Flughafen ins Gesicht geschrieben, und die Spucktüte ist in Reichweite. Seine zehnjährige Tochter Elena indes tröstet: "Ronter send se no älle komma". Sie freut sich auf das Abenteuer und am meisten über die zwei Wochen schulfrei, die der Schuldirektor ihr genehmigt hat. Bei der Ankuft dann staunte Martin Emberger aus Salach, der als Betreuer mit von der Partie ist: "Aus dem Fenster sahen wir eine riesige Stadt". Schanghai mit seinen 18 Millionen Einwohnern erstreckt sich über 100 Kilometer. Im Bus ging es entlang der Transrapidstrecke zum Hotel. "Riesige Dimensionen, unendliche Straßenfluchten, Hochhäuser bis in schwindelnde Höhen und kleine Hütten, stärker kann der Kontrast nicht sein. Hier die pulsierende Technik und daneben das traditionelle China", berichtet Emberger tief beeindruckt.Begeisterten das Publikum in Schanghai mit farbenprächtigen Kostümen und schrägen Tönen: die Donzdorfer Noda Biagr.
Nach einem Essen mit Minghoi Kong, der "Entdeckerin" der Noda Biag`r in Stuttgart, hieß es schnell schminken, in die Kostüme schlüpfen und die Instrumente schnappen. Romantik pur erwartete die Meister der schrägen Töne bei ihrem ersten Auftritt auf einer Seebühne, zu der man durch einen Park mit zahllosen roten chinesischen Lampions gelangte. "Ein Multikulti-Fest auf einer 50 Meter breiten Bühne und gigantischer Lichttechnik, einfach atemberaubend", schwärmt Emberger. Maoris aus Neuseeland, brasilianische Samba-Tänzerinnen, ein russisches Ballett, Inder, Mexikaner, Japaner und darunter die Noda Biag`r aus Donzdorf in ihren farbenprächtigen Kostümen, kurzum ein optisches Feuerwerk. Mit viel Engagement brachte die Truppe den tausenden staunenden Menschen die lautstarken Takte aus Klein-Paris näher und erntete viel Applaus. Nach 36 Stunden ohne Schlaf freuten sich die Schwaben allerdings nur noch auf ihr Bett. Nach einem Frühstück mit Maultaschen und gebratenen Nudeln, galt der zweite Tag dem Sightseeing. Ob das neue Schanghai mit seinen Hochhäusern und dem zweithöchsten Fernsehturm der Welt (467 Meter) oder das ursprüngliche Stadtbild mit seinen kleinen Geschäften, beeindruckt sind die schwäbischen Hobbymusiker allemal. Nach dem Abendessen ("wir sind schon alle fit mit den Stäbchen", lacht Emberger) krönte eine Flusskreuzfahrt auf dem Huangpu, mit Blick auf die mit abertausenden von Lichtern illuminierte Stadt, die Erlebnisse des Tages. Faszination pur erwartet die Truppe auch am nächsten Tag beim Auftritt in der Fußgängerzone.



NWZ Göppingen, Donnerstag, 12. Oktober 2006


Festival / Die Donzdorfer Guggenmusiker der "Noda-Biag'r" reisen am Sonntag zum größten chinesichen Kulturfestival

 

Schräge "Mongolen" als Kulturbotschafter in Shanghai

 

Die Donzdorfer Noda-Biag'r rüsten zum Auftritt ihres Lebens: Am Sonntag starten die 33 Guggenmusiker nach Shanghai, um als alleinige Vertreter Deutschlands am International Arts Festival, dem angeblich größten Kulturfestival Chinas teilzunehmen.  Von Ulrike Luthmer-Lechner

 

Donzdorf. Das Mongolenhäs hängt verpackt in den Kleidersäcken, die Posauen, Saxofone und Pauken sind in den Kisten verstaut, die Einreisepapiere samt Flugtickets liegen vor und die Spannung steigt, es kann los gehen. Seit dem diesjährigen Fasnestumzug in Stuttgart hat sich für die seit 1989 bestehende Guggenmusikergruppe aus dem Lautertal vieles verändert. Am Ende des Umzugs überraschte Minghui Kong, die Beauftragte der Volksrepublik China, die Noda-Biag'r mit einer Einladung nach Shanghai

"Zuerst dachten wir an einen Scherz", so Konrad Sauer, Vorsitzender der Noda-Biag'r, "doch schnell wurde klar, dass die Dame, die in ganz Europa unterwegs ist, um Musikgruppen für das chinesische Kulturfestival aufzuspüren, es ernst meint." Genau eine Woche Bedenkzeit wurde den verblüfften Musikern gegeben. Jedoch gab es kein langes Fakeln, "sondern es stand relativ rasch fest, dass wir die Koffer packen werden." Seitdem kreisen die Gedanken der 33 Frauen, Männer und der zwei Kinder im Alter von zwölf und 14 Jahren nur noch um den Auftritt im Reich der Mitte.

Eigentlich sollte das prächtige Mongolenhäs zu Beginn der nächsten Saison ausgemustert werden, Frau Kong bestand jedoch darauf, das dieses Kostüm, bestehend aus einem farbenprächtigen Mantel, einer farblich variierenden Schürze und einem reich geschmückten goldenen Kragen samt pagodenförmigen Hut während des zweiwöchigen Aufenthalts getragen wird. Also wurde geklebt, gestichelt und teilweise neu genäht, um die Kostüme wieder strapazierfähig zu machen.

"Vielmehr Kopfschmerzen bereitete uns der Transport der Instrumente", so Konrad Sauer: "Mit der Fluggesellschaft haben wir vereinbart, dass alle Musikinstrumente als Handgepäck deklariert werden." Auch die notwendigen Visa mussten geklärt werden: "Auf einen Vorantrag folgte die Prüfung durch das chinesiche Ministerium und letzte Woche dann die Passabgabe samt Visumantrag direkt bei der chinesischen Botschaft in Frankfurt." Freilich, mit der chinesischen Sprache sind die schwäbischen Noda-Biag'r nicht vertraut, selbst mit guten Englischkenntnissen komme man nicht so recht weiter. "Aber Frau Kong half uns in Frankfurt und wird uns auch auf unserer Reise zur Seite stehen", so Sauer.

 

160 000 Zuschauer

 

Ein volles Auftritts-Programm wartet auf die Lautertäler. Neben dem Kulturfestival in Shanghai werden die Experten der schrägen Töne in ShenZhen und Wuhan mit ihrem 30 Titel umfassenden Repertoire aufspielen. "Unsere Show steht", freut sich Sauer und er ist überzeugt, bei der Eröffnungsdfeier vor 160 000 Zuschauern Deutschland perfekt präsentieren zu können. Dirigent Albi hat seine Crew auch mächtig motiviert. Mit schrillen, fetzigen Tönen sind die Noda-Biag'r mit Herz und Hirn voll bei der Sache. "Klar freuen wir uns alle sehr darauf, aber wir sind auch froh, wenn der Probenstress vorbei ist", sagt Ursel Emberger, die wohl allen aus der Seele spricht. Die Nervosität steigt zusehends, aber wenn am Sonntag um 14.40 Uhr die Maschine mit den 33 Notenverbiegern, 220 Kilogramm Instrumente, 100 Kilogramm Kostümen und 130 Kilogramm Krägen und Hüte abhebt, wird sich die Freude auf das Abenteuer China breitmachen.



Stuttgarter Zeitung Nr. 177, Donnerstag, 03. August 2006

 

Mongolenhäs und schräge Töne für das Reich der Mitte

 

Die Donzdorfer Noda-Biag'r sind zum Internationalen Art Festival nach China eingeladen - Verein sucht Sponsoren

Donzdorf. Ihre Köstüme sehen aus wie eine Mischung aus Pagode und Fregatte. Ihr Name lautet gut Schwäbisch Noda Biag'r. Diese Mixtur hat Frau Kong aus China gut gefallen. Sie hat die Guggenmisiker aus Donzdorf im Kreis Göppingen in ihre Heimat eingeladen.  Von Sabine Riker

 

Wie Frau Kong mit Vornamen heisst, wissen die Noda-Biag'r nicht. (Inzwischen wissen es die Noda-Biag'r. Sie heisst Minghui, was Morgensonne bedeutet, und sie ist jetzt fast schon selbst eine Noda-Biag'r-in. Anm. der Noda-Biag'r). Frau Kong trat völlig unerwartet in das Leben der schwäbischen Guggenmusiker. Während des Stuttgarter Fasnetsumzugs steckte sie den prachtvoll verkleideten Musikern ihre Visitenkarte zu - und verschwand. Doch Frau Kong war kein Hirngespinnst. Die Dame aus Fernost erwartete die Kapelle am Ende des Umzugs, um sich als die Beauftragte der Volksrepublik China vorzustellen. Sie sei, so erzählte sie den Donzdorfer, in ganz Europa unterwegs, um Musikgruppen für das International Arts Festival in China aufzuspüren.

Eine Woche liess Frau Kong den Guggenmusikern für eine Zusage Zeit. Doch die Entscheidung fiel schon am Tag nach dieser denkwürdigen Begegnung. Die 34 Guggenmusiker beschlossen, im Oktober ihre Koffer zu packen und nach Shanghai zu fliegen. Schliesslich sei eine Einladung wie diese eine grosse Ehre. erklärt Sven Detzer, der im Vorstand des Vereins sitzt und die Pauke spielt. Dies umso mehr, als die Musikgruppe die einzige aus ganz Deutschland sein wird. Für die weite Reise spreche noch ein anderes Argument, findet Sven Detzer. "So etwas macht sich in jeder Vereinschronik gut."

Das ferne China ist seit dem Fasnetsumzug in Stuttgart nah an Donzdorf herangerückt. KeinTag, an dem es nicht etwas zu planen oder organisieren gäbe. Zur Zeit sucht der Verein nach Sponsoren, die den Chionareisenden finanziell unter die Arme greifen. Denn obwohl die Gastgeber den Aufenthalt bezahlen, bleibt an jedem einzelnen Noda-Biag'r doch ein erkleckliches Sümmchen hängen. "Ohne Taschengeld muss man mit mindestens 1000 Euro rechnen", sagt Detzer.

Doch nicht nur um das schnöde Geld kreisen die Gedanken. Die Guggenmusiker, die grundsätzlich ohne Noten spielen und deren Markenzeichen schräge Töne sind, proben zur Zeit häufiger als gewöhnlich. "Wir wollen schliesslich länger als eine halbe Stunde spielen können." Ausserdem mussten die Häs, die zu Beginn der nächsten Saison ausgemustert werden sollten, aufgepeppt werden. Sie sollen auf Wunsch der Gastgeber dei dem mehr als zweiwöchigen Aufenthalt im Reich der Mitte den ganzen Tag über getragen werden. Auch ein zweites Unterhäs wurde genäht - zum Wechseln.

Apropos Häs. Ihr Köstüm haben die Noda-Biag'r, die sich im Jahre 1989 als erste Guggenmusik im Kreis gründete, der Kleidung der Mongolen nachempfunden. Über dem Unterhäs wird ein farbenprächtiger Mantel und eine Schürze getragen. Der goldene Kragen ist reich geschmückt, ebenso der Hut. 2,5 Kilogramm bringt die Kopfbedeckung für die Männer auf die Waage. Da das chinesisch-mongolische Verhältnis durch die Geschichte nicht ganz unbelastet ist - die Mongolen herrschten im 13. Jahrhundert über weite Teile des chinesischen Kaiserreichs-, vergewisserte sich Detzer, der in der DDR gross geworden und deshalb mit den Eigenarten sozialistischer Regimes vertraut ist, dass dieses Kostüm keine Irritationen hervorrufen. Um jeglichen Missverständnisen aus dem Weg zu gehen, treten die Noda-Biag'r in China als "asiatische Krieger" auf und nicht als "Mongolen". Auch das Repertoire hat Detzer "abgeprüft". Doch selbst Titel wie "Dschingis Khan" und "Moskau" dürfen beim Internationalen Arts Festival gespielt werden.



NWZ Göppingen


Kultur / Donzdorfer Guggenmusik "Noda-Biag'r" präsentiert Deutschland in China

 

Im Mongolen-Häs nach Shanghai

 

Über 25 Nationen sind im Herbst dei Kulturtreffen vertreten - Bei Umzug engagiert

Wenn im Oktober in Shanghai das internationale Kulturfestval über die Bühne geht werden die "Donzdorf'r Noda-Biagr" mit von der Partie sein. Als alleinige Vertreter Deutschlands treten die Guggenmusiker im fernen China auf. Von Beate Schnabl

 

Donzdorf . "Das ist schon etwas ganz Besonderes", freuen sich die beiden Vereinsvorsitzenden Konrad Sauer und Sven Detzer von den "Donzdorf'r Noda-Biag'rn". Wenn sich aus über 25 Nationen beim größten Kultrfestival in China die unterschiedlichsten Musikgruppen ein Stelldichein geben, ist das fürwahr auch etwas Einzigartiges. Zumal die Donzdorfer bei dieser Großveranstaltung in Asien die Repräsentanten für Deutschland sein werden.

Das Festival im Oktober findet zum 8. Mal statt und steht unter dem Patronat des Kulturministeriums der Volksrepublik China. Organisiert und durchgeführt wird das Ereignis von der Stadtregierung Shanghai und dem "Center for China Shanghai International Arts Festival". Ziel dieser Veranstaltung ist es, den kulturellen Austausch zwischen Künstlern aus verschiedenen Teilen der Welt und Chinas zu fördern. Über einen Monat verteilt werden allen teilnehmenden Gruppen an Paraden und Konzerten in Shanghai, Hangzhou und Wuhan aufspielen. Im vergangenen Jahr wurde Deutschland durch das Rundfunksinfonieorchester des SWR vertreten.

Und wie kommen nun die Noda-Biag'r zu dieser Ehre? Am Faschingsdienstag nahmen die Guggenmusiker am Stuttgarter Umzug teil. "Da drückte mir eine Chinesin eine Visitenkarte in die Hand und meint, sie lade uns nach Shanghai ein", erinnert sich Konrad Sauer. "Sicher sind wir durch unser Mongolenoutfit aufgefallen", ergänzt Sven Detzer. Besagte Chinesin war im Auftrag des "Internatinal Arts Festival" auf der Suche nach einer geeigneten Gruppe für das Shanghai-Kulturfestival. "Innerhalb von nur einer Woche mussten wir uns entscheiden", erzählt Sauer weiter. Schnell wurde bei den Lautertälern eine Sondersitzung einberufen, ausführlich beraten und dann einstimmig die Zusage beschlossen. "Für uns ist das eine große Auszeichning ein ein einmaliges Erlebnis", meint Sven Detzer.

Jetzt konzentriert sich bei den Noda-Biag'rn alles auf dieses Großereignis. Die Flüge für die 34 Gruppenmitglieder, davon zwei Kinder im Alter von 11 und 14 Jahren, sind schon fest gebucht. Das Mongolenhäs, das eigentlich nun ausgedient haben sollte, muss nun wieder in Schuss gebracht werden. Zusätzliche Proben für das 30 Titel umfasssende Musikrepertoire werden angesetzt. Der Veranstalter übernimmt die Kosten für den Aufenthalt in China. Alles Übrige haben die Noda-Biag'r selbst zu tragen. Dazu gehören die Kosten für Flug, Impfung, Instandsetzung der Kostüme und der Verpackung der Instrumente. Etwas 35 000 Euro, schätzt Konrad Sauer, müssen die Guggenmusiker aus eigener Tasche berappen. Erste Benimm-Regeln für den Aufenthalt im fernen Asien haben sich die Musiker auch schon zu Gemüte geführt. Weiter müssen Gastgeschenke und jede Menge Visitenkarten besorgt werden.

"Trotz der Besonderheit wird es sicher keine Vergnügungsreise", ist sich der Vereinsvorsitzende sicher. Denn gleich nach der Ankunft am 15. Oktober geht es direkt zur Eröffnungsfeier, dei der die Deutschen vor 160 000 Besuchern ihre schrägen Töne zu Besten geben werden. Während des 14-tägigen Aufenthalts jagt dann ein Termin den anderen. Zuerst Auftritte in Shanghai, dann für wietere Auftritte Hangzhou und per Flugzeug nach Wuhan. Von Shanghai aus geht es dann am 30. Oktober wieder zurück nach Deutschland.